Wohnen in Eimsbüttel: Warum Human Design Umgebungstypen alles verändern

Ich schiebe den Einkaufswagen an Tim vorbei, der zwischen zwei hohen Regalreihen bei IKEA Schnelsen stehen bleibt, eine Hand am Regalbrett, den Blick auf einen Punkt hinter mir gerichtet, der gar nicht existiert. In genau diesem Moment wurde mir zum ersten Mal richtig klar, dass die Frage, wie wir wohnen, für uns zwei völlig verschiedene Dinge bedeutet: für mich als Manifesting Generator mit dem Human-Design-Umgebungstyp Markt, für Tim als Projektor mit dem Umgebungstyp Höhle. Dieser Beitrag ist deshalb kein romantischer Rückblick auf unsere Ehe in Eimsbüttel, sondern eine möglichst konkrete Anleitung: was der Umgebungstyp im Chart bedeutet, wie du deinen eigenen findest, und wie zwei gegensätzliche Designs sich eine Wohnung teilen, ohne sich gegenseitig zu zermürben.

Sein Schritt wurde in diesem Gang spürbar kürzer, sein Blick leerer, und zum ersten Mal erkannte ich darin keine schlechte Laune, sondern etwas, das gerade auf Überlastung schaltet, zu viele fremde Blicke, zu viel Trubel auf einmal für einen Projektor, der eigentlich Rückzug braucht.

Bevor wir überhaupt bei den Charts gelandet waren, hatten wir es mit einem Erstgespräch bei einer Paartherapeutin versucht. Hilfreich war das für einiges, aber die Frage, warum sich unsere eigene Wohnung für uns beide so unterschiedlich anfühlt, blieb danach weiterhin offen.

Unsere 80 Quadratmeter liegen mitten in Eimsbüttel, mit etwa 18.000 Menschen pro Quadratkilometer eines der am dichtesten besiedelten Viertel Hamburgs, und genau diese Dichte war ein Teil des Problems zwischen uns. Als wir uns später unser Partnerschaft Reading angeschaut haben, ging es an einer Stelle direkt um diese vier Variablen, zu denen der Umgebungstyp gehört, erklärt anhand typischer Streitmuster statt an der Schuldfrage, mit Formulierungen, die man wirklich so am nächsten Abend benutzen kann. Die Paartherapeutin hatte uns das nicht so konkret aufgeschlüsselt; das Reading schon.

Die sechs Umgebungstypen im Überblick

Human Design unterscheidet beim Umgebungstyp sechs Grundmuster, und keines davon ist besser als ein anderes – sie beschreiben nur, welche Umgebung ein Energiesystem stabil hält. Höhlen-Typen wie Tim brauchen eine feste Wand im Rücken, einen Raum, den sie kontrollieren, und die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wer hereinkommt. Markt-Typen wie ich blühen zwischen Menschen auf, mit Blick auf Bewegung und einem gewissen Grundrauschen im Hintergrund. Küchen-Typen sammeln sich am liebsten dort, wo im Haushalt gerade etwas passiert – am Herd, am Tisch, mitten im Geschehen. Berg-Typen suchen einen erhöhten Überblick, oft mit Fernblick, von dem aus sie das große Ganze sehen. Tal-Typen erden sich eher in geschützten, tiefer liegenden Räumen mit viel Grün ringsum. Und Ufer-Typen brauchen eine klare Trennlinie in ihrer Umgebung, einen Übergang zwischen zwei Zonen, an dem sie sich orientieren.

Monstera auf der Fensterbank am Straßenfenster in Eimsbüttel, Sinnbild für den Human-Design-Umgebungstyp Markt

Woran erkennst du deinen eigenen Umgebungstyp?

Um den eigenen Typ zu finden, reicht oft eine einzige Beobachtung: Achte darauf, wo dir Konzentration am leichtesten fällt und wo du unruhig wirst, ohne genau sagen zu können, warum. Wer sich in einem hellen, offenen Raum ohne Rückendeckung unwohl fühlt, obwohl objektiv nichts dagegenspricht, tendiert zur Höhle. Wer Stille beim Arbeiten eher lähmend findet und erst mit Hintergrundgeräusch oder Bewegung in Schwung kommt, tendiert zum Markt. Bei Küchen-, Berg-, Tal- und Ufer-Typen lohnt sich dieselbe Frage in Bezug auf Ferienorte oder Lieblingscafés – die Muster wiederholen sich fast immer, ohne dass man vorher etwas darüber wusste.

Eine Freundin von mir fotografiert am liebsten auf dem Flohmarkt in Altona, mitten im Gedränge zwischen fremden Ständen und Kisten mit altem Geschirr. Für sie ist genau dieser Trubel die Energiequelle, die mich beim Arbeiten am offenen Fenster ebenso trägt, ein klarer Markt-Typ, auch ohne dass sie je ihren Chart gelesen hätte.

Eine Gründerzeitwohnung für zwei Designs einrichten

Viele Gründerzeit-Wohnungen hier haben hohe Decken und große, offene Zimmer, die zwar schön aussehen, aber für einen Höhlen-Typen wie Tim kaum Grenzen bieten. Die eigentliche Arbeit lag deshalb nicht darin, hübscher einzurichten, sondern die Wohnung in echte Zonen zu teilen, die zu den jeweiligen Bedürfnissen passen, statt ein gemeinsames offenes Konzept zu erzwingen.

Hinter der Schiebetür zu Tims Zimmer sieht das komplett anders aus als bei mir. Kein Blick zur Straße, kein Durchgangsverkehr, dafür eine feste Wand direkt hinter seinem Stuhl und eine Tür, die er selbst öffnet oder geschlossen hält. Seit wir das so eingerichtet haben, kommt er nach einem Tag draußen unter Menschen spürbar schneller wieder bei sich an.

Abgeschirmte Arbeitsecke mit schwerem Vorhang für den Höhlen-Typ in einer Eimsbütteler Altbauwohnung

Mein Schreibtisch dagegen steht direkt am Fenster zur Straße, mit drei Bildschirmen nebeneinander und einer Fensterbank, die zwischen Monstera-Ablegern und Kräutertöpfen kaum noch einen freien Zentimeter frei lässt. Von dort aus sehe ich die Straße, höre die Räder unten vorbeirattern, und genau dieser Trubel hält mich bei der Arbeit wach, anstatt mich abzulenken. Mein zweiter Kaffee ist an solchen Nachmittagen fast immer schon kalt, bis ich überhaupt dazu komme, ihn zu trinken, aber die Wärme, die ich mir dabei einbilde, wirkt trotzdem irgendwie nach.

Schreibtisch mit drei Bildschirmen direkt am Straßenfenster, Rückzugsort für den Umgebungstyp Markt in Eimsbüttel

Wenn zwei Umgebungstypen so gegensätzlich sind wie unsere, kippt der Streit um die Einrichtung schnell in etwas Größeres, das mit Möbeln eigentlich gar nichts mehr zu tun hat. Über genau dieses Muster, wenn sich ein anfänglicher Einrichtungsstreit zu echter Frustration und Verbitterung in der Ehe auswächst, habe ich an anderer Stelle ausführlicher geschrieben.

Als Faustregel hat sich bei uns bewährt, zuerst den groben Umgebungstyp beider Partner zu bestimmen, dann für den Höhlen-Typ einen Rückzugsort mit fester Wand im Rücken und kontrollierbarem Zugang einzurichten, und erst danach über gemeinsame Flächen nachzudenken. Ein einziges offenes Wohnzimmer für beide Typen gleichzeitig funktionieren zu lassen, ist fast immer der Punkt, an dem Paare am längsten herumprobieren, bevor sie merken, dass getrennte Zonen keine Zurückweisung sind, sondern zwei unterschiedliche Betriebssysteme.

Was Human Design beim Wohnen nicht leisten kann

Ich bin keine Paarberaterin und habe keine Coaching-Ausbildung, ich bin Designerin, die auf die eigene Wohnung dieselbe Beobachtungsgenauigkeit anwendet, die ich sonst für Nutzerflüsse benutze.

Der Umgebungstyp ist dabei nur eine von vier Variablen im Chart und bewusst nicht die einzige Erklärung für unsere Konflikte. Themen wie die Sakralstimme, über die Manifesting Generators wie ich eigentlich entscheiden, das Wartemuster und die Einladungsstrategie von Projektoren wie Tim, die neun Energiezentren oder unsere jeweiligen Profil-Linien sind eigene, größere Kapitel, die ich bewusst an anderer Stelle ausführlicher aufgeschrieben habe. Auch seine emotionale Autorität spielt in ganz anderen Situationen eine größere Rolle als beim Wohnen, hier ging es wirklich nur um den Raum.

Manchmal steckt ein Konflikt eher im Kehlzentrum in der Partnerschaft als im Raum selbst. Bei uns war die Wohnung trotzdem der erste Punkt, an dem sich überhaupt etwas löste.

Ein Leser namens Torben Kleindienst hat mir kürzlich geschrieben, nachdem er über einen selten geteilten LinkedIn-Post von Tim auf diesen Blog gestoßen war. Ihm ging es dabei weniger um Chart-Details als um die schlichte Frage, wie man das Gespräch über die gemeinsame Wohnung überhaupt anfängt, ohne dass es in Vorwürfen endet.

Wer selbst herausfinden will, welcher Umgebungstyp bei einem selbst oder der Partnerin beziehungsweise dem Partner vorliegt, findet im eigenen Chart den naheliegendsten Ausgangspunkt, unser Partnerschaft Reading war das für uns, allerdings nur, weil wir beide bereit waren, uns die eigene Hälfte wirklich anzuschauen. Ein Reading allein hätte das nicht geschafft, wenn einer von uns komplett dichtgemacht hätte. Ersetzen kann und soll es trotzdem keine Paartherapie, bei größeren Krisen bleiben Stellen wie Pro Familia oder die Diakonie die richtige Adresse. Gestern Abend saßen wir dennoch beide im selben Zimmer, ich am Fenster, er einen Spalt hinter der offenen Schiebetür, und keiner von uns musste dem anderen das erklären.

Haftungsausschluss:
Kurz: Was du hier liest, ist meine eigene Sicht -- keine Beratung. Hol dir bei Fragen zu deiner Gesundheit oder deinem Geld immer den Rat einer Fachperson, die deinen Fall wirklich kennt.

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